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Wind, Stahl, Holz

Stories11. März 2023

Die Windturbine Hercules von ENESSERE ist eine grüne Schönheit, die kinetische Windenergie in saubere Energie umwandelt, und das in Harmonie mit ihrer Umwelt.

Inmitten der Hügel der nordöstlichen Region von Vincenza (Italien) liegt Brendola, eine Kleinstadt, die für ihre Kunsthandwerker und Handwerker bekannt ist – und jetzt auch für die neueste Kreation in Sachen erneuerbare Energien: die Hercules Windturbine.

Die Idee dazu stammt von Alberto Tessaro, einem hier ansässigen Erfinder und Designverrückten, der ein effizientes, aber gleichzeitig auch ästhetisches Produkt für erneuerbare Energien entwickeln wollte. Nach sechs Jahren Forschungszeit kann sich das Ergebnis sehen lassen – eine 8,78 m hohe Windturbine, deren Konstruktion aus Edelstahl die sorgfältig geformten holzbeschichteten Flügel aus amerikanischer Zeder trägt. Sie ist erfrischend anders, toll anzuschauen und – was das Wichtigste ist – fast nicht zu hören.

„Der Widerstand gegenüber Windrädern ist groß, weil sich die Menschen über ihre Hässlichkeit und störende Existenz beschweren,“ erklärt Oliver Glemser, internationaler Geschäftsentwickler und einer der drei Vollzeitkräfte in Tessaros Start-up ENESSERE. „Hier nun ist unsere Antwort darauf.“

Die Hercules erzeugt bis zu 5500 kWh pro Jahr, was für ein ganz normales Haus ausreicht. Ihr Lautstärkepegel liegt maximal bei 38 dB, also weniger als ein Kühlschrank in der Küche, wenn Windböen von 12 m/s herrschen. Dabei gewährleistet ein Generator, dass der Strom sowohl gespeichert als auch zur Beibehaltung der Flügeldrehung in windarmen Zeiten genutzt werden kann. Darüber hinaus wurde die Turbine so programmiert, dass sie bei gleichmäßiger Drehzahl rotiert, um die visuelle Illusion einer Drehung aufrechtzuerhalten, was wichtig für die ästhetische Wirkung der Turbine ist. ENESSERE arbeitet aktuell daran einen Algorithmus zu implementieren, wodurch es möglich wäre, die Windmuster in einem bestimmten Gebiet voraussagen zu können, so dass sie sich bei Bedarf ein- und abschalten kann.

Weniger als ein Jahr ist seit der Markteinführung vergangen und es scheint, als ob die Hercules, die in Italien für 60.000 EUR verkauft wird, bereits auf dem besten Weg ist, die Welt im Sturm zu erobern.

„Wir haben schon Anfragen aus Australien, den Bahamas, dem Mittleren Osten, Dänemark, Frankreich, Deutschland,“ zählt Glemser auf, der seit dem Zeitpunkt, als er die Hercules im April 2015 auf dem Salone del Mobile in Mailand gesehen hat, zum Tessaro-Team gehört.

Tessaro hat die Hercules in Zusammenarbeit mit dem Zimmermann Renato Guerra entwickelt, wobei er sich von den hölzernen Flügel des US-amerikanischen Flugboots Hughes H-4 inspirieren ließ und den „Goldenen Schnitt“ anwendete, eine mathematische Formel, welche auf die alten Griechen zurückgeht und auch eng mit Leonardo da Vinci verbunden ist. Tessaro hat ebenso die Ideen des Futuristen Jeremy Rifkin einfließen lassen, der voraussah, dass im 21. Jahrhundert „hunderte Millionen – oder vielleicht sogar Milliarden – Menschen ihre Häuser in kleine Kraftwerke verwandeln würden, um erneuerbare Energien direkt vor Ort produzieren zu können.“

„Tessaro wollte keine großen, hässlichen, klobigen [Turbinen],“ sagt Glemser. „Er wollte kleinere bauen, die Strom für ein Haus, ein Hotel, eine Ferienanlage, einen Golfclub, einen Park oder eine Firma liefern.“

Aber es sind auch noch andere Kleinigkeiten, welche die Einzigartigkeit der Hercules ausmachen. Durch die Auswahl der Farben – das Grau des Masts und das Dunkelbraun der mehrschichtigen Flügel – werden keine Insekten und Vögel angezogen, die ihnen folgen.

Die Fertigung der Hercules ist eine echte Dorfangelegenheit – Familie, Freunde, Nachbarn und örtliche Kunsthandwerker sind involviert. Allein für die Flügel, die aus 4000 ultradünnen zusammengepressten Holzschichten bestehen, sind vier Leute und ein Monat Arbeit erforderlich.

„Du kannst hier richtig sehen, welche Liebe die Leute in diese Turbine einbringen, während sie daran arbeiten,“ hebt Glemser hervor. „Das ist wirklich unbeschreiblich.“

Enessere

Das Unternehmen ENESSERE Clean Energy Company wurde 2009 von Alberto Tessaro gegründet. Anfänglich war es Teil von Autoelletric, des väterlichen Betriebs, bevor es Anfang 2016 in eine separate Gruppe ausgelagert wurde.

Die Firma hat drei Vollzeitmitarbeiter, zu denen auch Tessaro selbst als CEO gehört.

Zwei Produktionspartner unterstützen die Firma bei den hölzernen Flügeln sowie der Stahlkonstruktion. Dort sind 12 Angestellte mit der Herstellung der Hercules betraut.
ENESSERE teilt sich Dienstleistungen und Büros mit Autoelletric, einem der sechs Aktionäre.


Louise Nordström